GOÄ § 1 Anwendungsbereich berufliche Leistungen
Arbeitsbereich
GOÄ § 1 Anwendungsbereich berufliche Leistungen: prüft die einschlägigen Voraussetzungen, Dokumente, Risiken und Ausnahmen. Norm-/Quellenanker: GOÄ §§ 1-14 und Anlage, BGB Behandlungsvertrag §§ 630a ff., PKV/Beihilfe-Regelungen, Berufsrecht, aktuelle GOÄ-Reformhinweise. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fachkern: GOÄ § 1 Anwendungsbereich berufliche Leistungen
- Normen-/Quellenanker: GOÄ, BGB-Behandlungsvertrag, ärztliches Berufsrecht, § 12 GOÄ-Rechnung, Analogbewertung, Honorarvereinbarung, Erstattung PKV/Beihilfe.
- Entscheidende Weiche: Prüfe Leistungsinhalt, Ziffer, Steigerungsfaktor, Begründung, Auslagen, Wahlleistung, Schuldner, Erstattungsfähigkeit und Einwendungsfrist.
Worum geht es konkret
§ 1 GOÄ definiert den Anwendungsbereich der Gebührenordnung für Ärzte: Berufliche Leistungen approbierter Ärzte gegenüber Privatpatienten und Selbstzahlern. GKV-Leistungen sind nicht von der GOÄ erfasst (EBM, § 87 SGB V). Abgrenzung: nichtärztliche Leistungen, IGel, Wahlleistungen Krankenhaus, telemedizinische Leistungen — alle haben ihre eigenen Spezialregeln, gehen aber im Grundsatz auf § 1 GOÄ zurück.
Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen
- Erstellung einer Privatrechnung — Anwendungsbereich vorab klären.
- Streit, ob eine Leistung überhaupt nach GOÄ abrechenbar ist (z. B. IGel, Wahlleistung, Gutachten).
- Mandant ist nicht Privatversicherter, sondern Beihilfeberechtigter, Selbstzahler oder PKV-Patient.
- Honoraranspruch zu einem Auslandsbehandlungsfall.
Eingaben:
- Approbationsstatus der Ärztin/des Arztes.
- Patientenstatus (PKV, Beihilfe, GKV-Privatabrechnung, Selbstzahler, IGel).
- Behandlungsumfang und -gegenstand.
- Behandlungsvertrag (sofern schriftlich).
- ggf. Wahlleistungsvereinbarung.
Rechtlicher Rahmen
- § 1 GOÄ: Anwendungsbereich — berufliche Leistungen approbierter Ärzte.
- § 1 Abs. 1 GOÄ: Die GOÄ gilt für die Vergütung beruflicher Leistungen approbierter Ärzte, soweit nicht durch Bundesgesetz andere Regelungen bestehen.
- § 2 GOÄ: Abweichende Honorarvereinbarung — eng begrenzt zulässig.
- § 87 SGB V: EBM für GKV-Vertragsärzte.
- §§ 630a ff. BGB: Behandlungsvertrag.
- § 12 GOÄ: Fälligkeit und Rechnungspflicht.
- Berufsordnung der Ärztekammern (§ 12 MBO-Ä) — Verbot ungerechtfertigt hoher Liquidationen.
- BGH staend. Rspr. zur Abgrenzung Heilbehandlung / Begutachtung / IGel.
/ Schritt für Schritt
- Approbation prüfen: Approbationsurkunde Ärztin/Arzt vorhanden? Ohne Approbation kein GOÄ-Anwendungsbereich (Berufserlaubnis genügt im Einzelfall).
- Patientenstatus klären:
- PKV-Privatpatient: GOÄ-Anwendung vollumfänglich.
- Beihilfeberechtigter: GOÄ + Beihilfeverordnung des Dienstherrn (Bund/Land).
- GKV-Patient mit Privatbehandlung (z. B. IGel): GOÄ-Anwendung mit Hinweispflicht.
- Selbstzahler: GOÄ-Anwendung.
- Auslandsbehandlung: GOÄ-Anwendung nach deutschem Recht.
- Leistung klassifizieren:
- Heilbehandlung im engeren Sinn: GOÄ direkt.
- Gutachten/Bescheinigung: GOÄ Abschnitt L (Sonderleistungen).
- Wahlleistung Krankenhaus: GOÄ § 6a + Wahlleistungsvereinbarung.
- Telemedizin: GOÄ + spezielle GOÄ-Ziffern (vom Anwender zu verifizieren — laufende Anpassungen).
- Abweichende Honorarvereinbarung: § 2 GOÄ — nur in engen Grenzen zulässig.
- Schwellenwert/Höchstsatz: § 5 GOÄ — Bemessung.
- Rechnungserstellung: § 12 GOÄ — Fälligkeit erst nach formgerechter Rechnung.
Trade-off-Matrix
| Patientenstatus | GOÄ-Anwendung | Besonderheit |
|---|
| PKV-Vollprivatpatient | direkt | Erstattung nach Tarif |
| Beihilfe-Berechtigter | direkt | Erstattungsgrenze Beihilfe + ggf. PKV |
| GKV mit IGel | nur für IGel | schriftliche Aufklärung Pflicht |
| GKV mit "Privatbehandlung" (Wunsch des Patienten) | direkt für Privatleistung | Hinweispflicht, dass GKV-Anspruch besteht |
| Selbstzahler ohne Versicherung | direkt | besondere Hinweispflicht Kosten |
| Auslandspatient | direkt nach deutschem Recht | Übersetzung Rechnung empfehlenswert |
| Werksarzt mit Anstellungsverhältnis | nicht GOÄ | Arbeitsrechtsvergütung |
Praxistipps
- IGel-Aufklärung schriftlich, mit Kostenvoranschlag — sonst keine Anspruchsgrundlage gegen Patient.
- Bei "Privatbehandlung" eines GKV-Patienten: schriftliche Erklärung des Patienten verlangen, dass er Privatleistung wünscht und Kostenpflicht akzeptiert.
- Approbationsurkunde im Praxis-Stammbuch ablegen — bei Streit vorzeigbar.
- Bei Auslandspatient Rechnung in deutscher Sprache mit englischer Kurzfassung; Bezahlung in EUR.
- Wahlleistung Krankenhaus: § 17 KHEntgG i.V.m. § 6a GOÄ; Vereinbarung Wahlleistung notwendig.
Mustertexte
IGel-Aufklärung (Auszug)
"Sehr geehrte:r [Patient:in], die von Ihnen gewünschte Leistung [Bezeichnung] ist nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse enthalten. Sie wird als Individuelle Gesundheitsleistung (IGel) abgerechnet. Die Vergütung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Geschätzte Kosten: [EUR brutto]. Bei Mehrbedarf werden Sie vor Durchführung erneut informiert. Bitte bestätigen Sie nachstehend, dass Sie die Privatbehandlung wünschen und die Kosten selbst tragen."
Klarstellung Rechnung an Patient (Auszug)
"Die berechnete Leistung [Ziffer] erfolgte als berufliche Leistung im Sinne des § 1 GOÄ. Sie sind als [PKV-Patient / Beihilfeberechtigter / Selbstzahler] Schuldner:in der Vergütung. Die Erstattung durch Ihre Versicherung obliegt Ihnen; wir leisten gerne unterstützend Auskunft."
Typische Fehler
- GOÄ-Rechnung an GKV-Patienten ohne explizite Privatbehandlung — Forderung nicht durchsetzbar.
- IGel ohne schriftliche Aufklärung; § 630c BGB-Aufklärungspflicht verletzt — keine Vergütung.
- Werksarztleistung wird nach GOÄ abgerechnet — Vergütung über Arbeitsvertrag, nicht GOÄ.
- Bei Beihilfe wird Patient als Vollerstatter behandelt — Beihilfegrenze und PKV-Tarif beachten.
- Auslandspatient wird in dortiger Sprache abgerechnet — Verständnisproblem, Anspruchsdurchsetzung erschwert.
Quellen Stand 06/2026
- GOÄ §§ 1, 2, 5, 12 — Stand zur Berechnung im amtlichen Bundesgesetzblatt prüfen.
- GOÄ-Reform 2024/2025 — vom Anwender zu verifizieren (laufende politische Anpassungen, ggf. neue Gebührenordnung).
- BGB §§ 630a–630h.
- KHEntgG § 17.
- Berufsordnung Ärztekammer (MBO-Ä § 12).
- BGH staend. Rspr. zur GOÄ-Anwendung.
- PKV-Verband — Erstattungsleitlinien (informativ, nicht verbindlich).