Produktsicherheit beim EU-Import
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Worum es geht
Importeure in die EU tragen produktrechtliche Pflichten: CE-Kennzeichnung sicherstellen, Konformitätserklärung beschaffen, REACH-Anforderungen prüfen. Die EU-Marktüberwachungs-VO (EU) 2019/1020 stärkt die Pflichten von Importeuren und Online-Plattformen. Die neue Produkthaftungsrichtlinie (2024) erweitert die Haftung auf Softwareprodukte.
Kernnormen / Kernquellen
- VO (EU) 2019/1020 Art. 4: EU-Bevollmächtigter Importeur als verantwortliche Wirtschaftsperson
- VO (EU) 2019/1020 Art. 14: Marktüberwachung — Pflicht zur Rückverfolgbarkeit
- REACH VO (EG) 1907/2006 Art. 33: Informationspflicht bei SVHCs (besonders besorgniserregenden Stoffe)
- Produktsicherheits-VO (EU) 2023/988 (ab 13.12.2024): Allgemeine Produktsicherheit
- Produkthaftungs-RL 2024/2853: Erweiterte Haftung inkl. Software, KI-Produkte
- CE-Richtlinien (z.B. NLF, Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, LVD 2014/35/EU)
Schlüsselbegriffe
- Importeur-Pflichten: Konformitätserklärung, technische Unterlagen, CE-Kennzeichnung prüfen
- EU-Bevollmächtigter: Pflichtadresse für Behörden; bei fehlendem EU-Hersteller der Importeur
- SVHCs: Substances of Very High Concern — Informationspflicht in Lieferkette
- RAPEX-Schnellwarnsystem: EU-Meldepflicht bei gefährlichen Produkten
- Due Diligence: Importeur haftet wie Hersteller wenn kein EU-Niederlassungsnachweis
Typische Streitfragen / Anwendungsfälle
- Importeur ohne eigene Prüfung — haftet er für CE-Falschangaben des chinesischen Herstellers?
- REACH Art. 33: Ab welchem SVHC-Grenzwert (0,1% Gewichtsanteil) gilt Informationspflicht?
- RAPEX: Wann ist Importeur zur Meldung verpflichtet (eigene Kenntnis oder Marktüberwachungsbehörde)?
- Online-Marktplatzhaftung: Haftet Marktplatz (Amazon EU) bei gefährlichen Drittanbieter-Produkten?
- Neue PH-RL 2024: Gilt Haftung für autonome Software-Updates ohne Hardware-Defekt?
Methodik
- Due-Diligence-Kette: Herstelleraudit, Konformitätserklärung, technische Dokumentation
- REACH-SVHC-Screening: Materialdatenblätter von Herstellern; ECHA-Kandidatenliste prüfen
- RAPEX-Meldefluss dokumentieren: interne Eskalationskette festlegen
- EU-Bevollmächtigter: EU-ansässige Kontaktperson im Importvertrag festlegen